Cooperativa Tejidos Cotzal
 

Im Bewusstsein, nur gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpfen zu können, haben 5 Frauen, Witwen aus dem Krieg im Jahr 1986 die Cooperative gegründet. 1998 sind es bereits 30 Frauen. Sie entwickelten sich immer weiter mit neuen Techniken und Produkten. Mit 45 Frauen ist die Gruppengrösse momentan ausgeschöpft, damit für alle Webarbeiten vergeben werden können.

Der Vorstand oder Junta directiva besteht aus 5 Mitglieder aus der Cooperative, welche im Turnus von 2 Jahren gewählt werden.

Pedro ist von der Cooperative als Koordinator und Produktedesigner angestellt, er ist in allen Belangen die Verbindung zur Aussenwelt. Seit 2009 unterstützen wir ihn, er nimmt weite Wege für seine Ausbildungen in Kauf, welche schlussendlich viel zum heutigen Fortschritt in jeder Sicht beigetragen haben.

3 Frauen sind je für ein Resort bestimmt: für das Soziale, die Gesundheitsfragen und Unterstützung und Weiterbildung. Der gemeinsame Zusammenhalt wird sehr gelebt mit kleinen Festen und Zusammenkünften gefeiert.

Wie organisiert sich die Cooperative

  • Kauft die hochwertige Baumwolle ein
  • Bezahlt die Weberinnen mit einem Lohn, welcher alle zwei Wochen ausbezahlt wird
  • 10 % vom Verkaufspreis fliesst in die Cooperative, Rest setzt sich durch Lohn und Material zusammen
  • Schneider angestellt, erhält pro genähtes Stück seinen Lohn
  • Führung vom eigenen Verkaufsladen, wo Einheimische, aber vor allem Touristen kaufen
  • Anbieten von Tagestouren oder Trekking zu den sehr schönen Wasserfällen in der Umgebung, Trekking in das Chuchumatanes Gebirge
  • Einsicht in typische Familien, wo gezeigt wird wie Kaffee geröstet, gearbeitet, gekocht und gelebt wird.
  • Verkauf Webarbeiten in Touristenzentren wie Antigua, Quetzaltenango und Guatemalastadt.
  • Bieten die Möglichkeit als Volontär/innen im Projekt mit zu arbeiten. Dadurch sind einige wichtige Fortschritte entstanden wie die erste Homepage, Hilfe beim Bemalen der Gebäude zur Verschönerung ect.
  • Mit einer eigenen Homepage, welche schon recht fortgeschritten ist.

Eigenleistungen der Frauen zum Gelingen des neuen Zentrums

  • Die ganze Rodung des Geländes für das neue Zentrum
  • Für den Aushub wurden die Frauen in Gruppen eingeteilt und in Schichten gearbeitet
  • Den grössten Teil des Baumaterial wurde von den Frauen von der Hauptstrasse zur 100 m Baustelle getragen
  • Die Handwerker wurden durch zureichende Arbeiten und Mithilfe nach Möglichkeit unterstützt.

Mision und Vision für die Zukunft im neuen Zentrum

  • Das Ziel der Gruppe ist die systematische und umfassende Ausbildung für alle zu fördern.
  • Die kollektive Arbeit und fördert gegenseitige Unterstützung und Produktverbesserung und das eigene Selbstmanagement.
  • Suche von Marktmechanismen, der die faire Bewertung der Webarbeit ermöglicht und ihre Lebensbedingungen mit einem regelmässigem Einkommen verbessert
  • Pflege und Erhaltung der alten Traditionen, junge Frauen in ihrem Handwerk zu bilden.
  • Mit dem erstandenen Webstuhl grössere Stoffe herzustellen und zu verkaufen
  • Der begonnene Spanischunterricht auch auf die Frauen auszubauen
  • Anbieten von typischen Mahlzeiten für die Bevölkerung (Comedores genannt)
  • Die Beherbergung von Touristen ermöglicht den Frauen weitere Arbeitsmöglichkeiten
  • Vermietung des Restaurants für Anlässe

Guatemala und die Geschichte der Cooperative San Juan Cotzal / El Quiché

Wir befinden uns mitten im Lande der Maya, wo von der über Tausend Jahre alten Kultur sich auch die Handweberei erhalten hat. Die traditionellen Trachten und Textilien der Maya werden noch heute von indigenen Frauen von Hand gewoben. Die Weberinnen der Frauencooperative „Tejidos Cotzal“ stellen diese auf ihre einzigartige traditionelle Art her und halten damit nicht nur sich und ihre Familien am Überleben, sondern auch gleichzeitig ihre Jahrtausend alte Maya-Kultur, die stark vom Verschwinden bedroht ist und in Vergessenheit zu geraten scheint. Die Frauen der Cooperative weben nach der von ihren Vorfahren überlieferten Cintura-Webtechnik, wobei sie sich einen Gurt um die Hüfte legen und sich zurücklehnen, um das Webstück ständig unter Spannung zu halten (siehe Foto). Durch die Anwendung dieser speziellen Art zu weben werden nicht nur beständige Textilien höchster Qualität hergestellt; sie sind darüber hinaus wegen der typisch-guatemaltekisch bunten Farben und ihrer originalen Hand-Stickereien gleichzeitig ein lebendiges Spiegelbild der uralten Maya-Kultur.

Alle Besucher von nah und fern laden wir herzlich ein uns in San Juan Cotzal, unserem Heimatdorf, besuchen zu kommen. Hier hat unsere Cooperative ein kleines Häuschen gemietet, wo wir euch mit aller Gastfreundschaft empfangen werden und euch gerne zeigen, wie wir Mayas in Guatemala leben.

Der natürliche Reichtum der Region

San Juan Cotzal mit seinen rund 20.000 Einwohnern liegt im Verwaltungsbezirk El Quiché im Nordwesten Guatemalas, mitten in der Gebirgskette der Cuchumatanes auf 1.700 Meter Höhe. Hier oben, weit abgelegen von der industriell- wütenden Menschenhand, kann man noch frische Bergluft einatmen, die Jungfräulichkeit der unberührten Naturlandschaft genießen, sich an glasklaren Wasserfällen erfrischen und seltene Pflanzen und Vögel entdecken.
Zusammen mit den beiden Gemeinden Nebaj und Chajul formt Cotzal das Ixil-Dreieck, dessen insgesamt 70.000 Einwohner die Mayasprache Ixil sprechen.

Das Gemeindeleben Cotzals spielt sich auf dem Dorfplatz ab, vor der wunderschönen, schneeweißen Kirche. In der Kirche erinnert das Denkmal „Die schweigenden Zeugen“ an den 36 Jahre währenden Bürgerkrieg. Ganz wie ihre Vorfahren leben auch die heutigen Bewohner Cotzals in ihren selbstgebauten, mit Ziegeldächern bedeckten Lehmhütten und genauso knien heute noch Grüppchen von Wäsche waschenden Müttern am Flussufer des Tichuns, der quer die Gemeinde durchkreuzt.

Das Überleben des Kampfes und der Kampf ums Überleben.

Während des Krieges, der besonders grausam im Ixil-Dreieck wütete, blieb vielen Familien nichts anderes übrig, als ihr Haus und Land zu verlassen, um vor der Gewalt zu fliehen. Als diese zahlreichen Familien endlich wieder in ihre Heimat zurückkehren konnten, war ihr Land besetzt und sie somit ihres Besitzes enteignet. Bis heute wurde die Eigentumsfrage der Kriegsflüchtlinge nicht geklärt und die Einforderungen ihrer Besitzerrechte überhört. Aus diesem Grund können nur einige Wenige von der Fruchtbarkeit der Erde profitieren und das Land wirtschaftlich zum Anbau von Mais, Bohnen und Gemüse nutzen. Dem Rest blieb nichts anderes übrig, als sich Arbeit auf einer Kaffee- oder Zuckerrohrplantage in den fernen Küstengebieten zu suchen.

In den Jahren 1979 bis 1983 erreichten die blutigen Kriegsjahre im Ixil-Dreieck ihren Höhepunkt. In diesen 4 Jahren starben allein in Cotzal 1.000 Menschen. Die Mehrheit der Opfer waren Männer, die zu Tode gefoltert und massakriert wurden oder spurlos verschwanden. Dabei liegt die wirkliche Kriegsopferzahl viel höher, da neben den 1.000 direkten Gewaltopfern noch Unzählige ihr Leben auf der Flucht in die Berge verloren haben. Man schätzt, dass in der Ixil-Region zwischen 15. und 20.000 Menschen auf ihrer Flucht starben.

Um sich ihre bescheidene aber funktionierende Subsistenzwirtschaft, die ihnen der Krieg genommen hat, wieder aufbauen zu können, haben sich Menschen zusammengeschlossen, um gemeinsam einen Neuanfang zu wagen. Unter ihnen etliche Witwen und Waisen. Die Menschen haben Hoffnung in die Zukunft geschöpft und Initiativen ergriffen. Dies war die Geburtsstunde der Frauencooperative Tejidos Cotzal.

Die Entstehung der Fraueninitiative...

Als die graue Kriegswolke die Ixil-Region überzog, wurden etliche Witwen mit der Versorgungsfrage ihrer Familien und Kinder konfrontiert.

So kam es dazu, dass sich im Jahre 1986 fünf Weberinnen von Cotzals zusammen getan haben, um gemeinsam Textilien herzustellen, von deren Verkauf sie sich zu überleben erhofften. Sie boten ihre Webereien in den lokalen Märkten an und luden gleichzeitig andere Witwen und bedürftige Frauen ein, sich ihrer kleinen Gruppe anzuschließen, damit auch sie einen Ausweg aus dem Elend fänden. Und ihr Wachstum zu einer Cooperative.

Mit den Jahren wuchs die Anzahl der Weberinnen des Frauenprojektes beträchtlich, bis sie im Jahre 1998 auf eine Mitgliederzahl von 30 Frauen anstieg und sich bis heute gehalten hat. Dank der engen Zusammenarbeit der Frauen, dem gemeinsamen Willen und der hohen Motivation wurde aus dem kleinen Projekt eine staatlich anerkannte Cooperative, mit dem offiziellen Namen:

COOPERATIVA INTEGRAL DE COMERCIALIZACIÓN TEJIDOS COTZAL, R.L.

Aktivitäten und Prioritäten der Cooperative

Die Garantie dafür, dass die Weberinnen den gerechten Lohn für die von ihnen handgewebten Textilien erhalten, hat in der Cooperative höchste Priorität und steht an oberster Stelle. Dank dem Verkauf ihrer Webereien können die Frauen ihre wirtschaftliche Lage verbessern und damit sich und ihre Familien versorgen. Mit dem Prozentsatz der Einnahmen, der in die Kasse der Cooperative geht, wird in den Gemeinnutzen investiert, wie z.B. in die Organisation von Workshops und Fortbildungsprogrammen.

Gemeinsame Träume und Zukunftsperspektiven

Übers Weben hinaus wünschen sich die Frauen in der Zukunft mehr Aktivitäten ins Leben rufen zu können, mehr Zeit miteinander zu verbringen und neue Projekte zu starten. Sie träumen davon zu wachsen „wie ein Baum mit seinen tausend Ästen bis hoch in den Himmel“. Dabei sehen sie sich selbst als die Wurzel des Baumes und die Weberei als Baumkrone. Von der Wurzel aus sollen all ihre Ideen wie die Äste eines Baumes ständig wachsen und sich ausbreiten. Sie träumen von einem eigenen Grundstück für ihre Cooperative, auf dem eine große Lehmhütte mit Ziegeldach stehen soll. Innen drin soll es einen Schulraum geben, wo sie den zukünftigen Weberinnen ihr Handwerk lehren. In einem kleinen Lädchen sollen ihre Textilien zum Verkauf angeboten und in einem kleinen Museumsraum ihre besonderen Web-Kunstwerke ausgestellt werden. In einer gemütlichen Cafeteria würden sie die neugierigen Besucher mit einer großen Tasse Kaffee empfangen und sie die typischen Köstlichkeiten der Maya-Küche probieren lassen.
Die Frauen sind zuversichtlich, dass sich all ihre Wünsche «mit genügend Regen und Sonne» verwirklichen werden.

Das Besondere der traditionellen Handwebereien aus Cotzal

Der Verwaltungsbezirk El Quiché ist berühmt für seine Herstellung traditioneller Handwebereien aus Baumwolle und reiner Wolle. Auch die Textilien von Tejidos Cotzal bestehen aus 100% reiner Baumwolle. Dabei arbeiten die Frauen nicht mehr nur mit künstlich gefärbtem Garn, sondern bieten auch Textilien natürlich gefärbten Garns an, Die Naturfarben werden z.B. aus Gemüse (Karotten), aus Pflanzen und Kräutern (Kamille) gewonnen.

Die Handstickereien der Textilien haben ihre spezifischen Bedeutungen in der Kultur der Mayas. Laut ihres Kalenders beginnt alle 52 Jahre ein «neuer Zyklus» und die junge Generation erfindet neue Symbole, die die Veränderungen in der Welt widerspiegeln, wobei sie sich an den bereits existierenden Symbolen ihrer Vorfahren orientieren.

www.tejidoscotzal.org